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Archiv Lettres de la Bourgogne

Lettres de la Bourgogne 1

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Nach meinem Rücktritt als „Landpostverwalter“ mit 60 und dem Wechsel von Margrit in die 100%ige Hausfrauenkarriere im jugendlichen Alter von noch nicht einmal vollendeten 58 Jahren stehen wir noch einmal in der Startphase eines folgenden Le-bensabschnittes. Schliesslich ist dies heutzutage ein Alter, in dem man sich ernsthaft Gedanken machen muss, wie man das kommende Vierteljahrhundert in Anstand und sinnvoll gestalten will. Zumindest die Altersforschung hat beschieden, dass der 3. Lebensphase noch eine vierte folgen solle und bis dahin wollen wir also noch etwas Gescheites tun, nicht?

 

So haben wir nach entsprechenden Tätigkeiten gesucht. Die offizielle Berufsbezeichnung in Frankreich für Haufrauen lautet „sans profession“ was für eine emanzipierte Margrit gewiss keine Alternative darstellt und ich habe mich aus purer Solidarität mit meinen Altersgenossen, die das Ende erst bei 65 sehen oder sehen wollen, dazu entschieden, das Rentnerdasein mit etwas Arbeit zu versüssen. Kurz, am 10. April werden wir im mittelalterlichen Kern des Städtchens St. Gengoux-le-National an der Rue de l’Espérance unsere Kunstgalerie mit angeschlossenem Webatelier eröffnen. Damit haben die besten Möglichkeiten, uns in einem Umfeld zu bewegen, wie wir es gemeinsam schätzen: Den Kontakt mit Freunden, Bekannten, Kunden und Nachbarn zu pflegen, ohne uns an reglementierte Ladenschlusszeiten halten zu müssen. Zu weben, planen, schreiben, gestalten und manchmal sicher auch zu träumen mit immer wieder wechselnder Gestaltung der mit einander verbundenen Räumlichkeiten. Weiter stehen in der Planung die Beratung und Begleitung in Immobilienfragen für fremdsprachige Interessenten, dann ge-führte Stadtbesichtigungen in deutscher Sprache und nicht zuletzt werden wir endlich genug Zeit haben für eigenes Gestalten und verschiedene etwas in den Hintergrund gerückte Liebhabereien. Daneben hat jedes im Turnus von 2 Tagen Küchendienst, es werden Zmittag und Nachtessen zubereitet. Margrit ist nach wie vor für die gesunde Ernährung, ich eher für die sündige Kost verantwortlich. Zudem geht es auch immer wieder hinaus in die Natur, seit Mitte Februar blühen in den Wäldern die wil-den Osterglocken und die Orchideenblätter wachsen bereits aus dem Boden. Daneben muss das Haus in Besanceuil im Schuss“ gehalten werden, denn das Landhaus steht unseren Kindern, Verwandten und nahen Freunden zur Verfügung oder wird in unserem grossen Bekanntenkreis vermietet.

 

St. Gengoux-le-National ist chef-lieu des gleichnamigen Kantons; das Städtchen hat etwa 1'100 Einwohner, der ganze Kanton gegen 3'000. Eigentlich hiess es le Royale und erst die Revolution hat zum heutigen Zusatz geführt, aber letztlich ist das den „jouvenceaux et jouvencelles“, so nennen sich hier die Leute selbst, ohnehin schnorz. Diese Bezeichnung wird abgeleitet vom grossen Brunnen den man „La Jouvence“ nennt, zu Deutsch der Jungbrunnen. Wenn das kein gutes Omen ist! Von hier aus gehen über 200 km Wanderwege und Reitrouten, von hier aus stehen ebenso viele Fahrradrouten zur für alle Ansprüche Verfügung. Hier wird eingekauft, hier wird auf der Strasse geschwatzt, hier treffen sich am Abend die Jungen und am Markttag die Alten aus der Umgebung. Vieles erinnert noch an unsere Jugendzeit, man „grüsst sich anständig“, denn man kennt sich, in vielem ist man sich recht nah. Aber auch rund herum scheint die Zeit etwas stehen geblieben: die Strassenborde sind eben nicht mit Granitriemen ausgelegt und die Flüsse und Bäche suchen sich bei Regen selbst ihren Lauf, ohne das irgendein Tief-bauer gleich aufwändige Verbauungen plant. Zugegeben, etwas provinziell, dafür ruhig, freundlich und sauber, eben halt ein bisschen heile Welt.

 

In die Schweiz kehren wir eigentlich vor allem zurück für die Pflege der Kontakte mit den Kindern, dem Enkel, den Freunden und Bekannten und für den Kauf einiger ach so wichtigen Kleinigkeiten, die es nur in der Schweiz geben soll. Wir wünschen euch alles Gute, Erfolg im weiteren Berufsleben und viel Liebe und Freundschaft im Privaten. Herzlich grüssen aus dem

Burgund

 

Thomas & Margrit

1. März 2004

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 2

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Der Start unserer neu eröffneten Galerie d’Art ist gelungen, die Künstlerin und wir sind glücklich über den sehr guten Erfolg. Die Eröffnung wurde von unserem maîre begleitet, der als Vizepräsident des Conseil National gerade zur rechten Zeit zum Kul-turminister der Region Burgund gewählt wurde. Und es ist wie überall: Wenn das Licht auf einen vifen Politiker in der Nähe fällt, steht das Umfeld auch immer ein bisschen in der Sonne. Jedenfalls war die Galerie an der Vernissage gerappelt voll und ich durfte fleissig rote Punkte an die Bilder kleben. Aber zuerst musste ich die eigene Feuerprobe bestehen, meine erste öffent-liche Rede. Ich hatte grauenhaft den Bammel und war froh, dass Chantal Dunoyer meine Rede noch vorher durchging und mich moralisch unterstützte. Schliesslich galt es auch, der Nachbarschaft für die Geduld, den Handwerkern für die Arbeit und den Behörden für die Unterstützung zu danken. Dann haben M. le Conseiller und anschliessend die Künstlerin die Kunst im all-gemeinen, das Werk und die schön gestaltete Galerie beschworen und mit einem Glas Blanc de blanc in den Händen hat sich meine Aufregung auch bald gelegt. Der Service am Buffet wurde von zu Besuch weilenden Freunden bestritten, was von den Franzosen als „la vraie perfection suisse“ gelobt wurde (Übrigens ehemalige und aktive Kaderleute der Post Uster mit Anhang). In der Zwischenzeit haben wir über 60 Objekte verkauft, was anschei-nend als guter Erfolg gilt. Jedenfalls sind die laufenden Kosten gedeckt und mein Ruf als Kunstfreund und Mäzen trotzdem noch unbeschädigt.

 

Margrit hat ihr Webatelier schön eingerichtet und verkauft nebenbei selbst gemachte feine Konfitüren, originelle Duftsäckli für die weibliche Handtasche, Badesalz und Blüemlitee. Alles in unseren freien Stunden selber gesammelt und auf dem Dörrex getrocknet. In den vergangenen Wochen war das „Montagnon“ besetzt, zuerst von Freunden, nachher von unserer Tochter Nicole mit Mann und Söhnlein und wir haben eine gute und fröhliche gemeinsame Zeit verbracht. Zurzeit ist das Haus leer und wir pendeln etwas zwischen „Stadt und Land“. Am Morgen in der Galerie, nach dem Zmittag ins „Montagnon“ und um 15 bis 18 Uhr hüte ich dann Galerie und Atelier allein. Margrit hat alte Holzstühle in gris bleué restauriert; sie kommen in die Galerie, um Freunden und Kunden auch mal einen Kaffee sitzend servieren zu können. Am Feierabend essen wir auf der Terrasse und geniessen die herrliche Ruhe, den Ausblick auf den Wald und die Erkenntnis, dass es uns eigentlich sehr gut geht. Heute will ich auf dem Weg noch einen Korb Akazienblüten ernten, das ergibt einen wunderbar duftenden Gelee.

 

Kürzlich waren wir zu Vernissagen in Chalon-sur-Saône und Dijon. Die Tochter eines uns bekannten ehemaligen Fernsehmannes aus Paris betreibt eine kleine Galerie. Anschliessend haben wir auf dem Platz der Kathedrale gebratene Langoustines und Lapin au cocotte gegessen. Er selbst stellt bis ende Juni im Museum Dijon Einlegearbeiten in Stroh aus, zusammen mit Künstlern aus England und der Schweiz. Letzte Woche besuchten wir bei Olivier Reymondin, professeur de musique ein kleines intimes con-cert théâtral. Er hat sein Haus zwei Gassen weiter und veranstaltet in seinem Salon eine Reihe von soirées privées. Unser Freundeskreis weitet sich stetig und international aus. Das gibt immer auch wieder mal ein gemeinsames Nachtessen oder einen Konzertbesuch. Für Kultur ist also gesorgt und für viele Begegnungen, zwischendurch auch mal in Schweizerdeutsch, ebenfalls.

 

In den nächsten Tagen werden wir kurze Zeit in Uster sein, um unsere Kinder, Enkel, Freunde und Kollegen zu besuchen und am 8. Juli eröffnen wir die nächste Ausstellung mit einer Künstlerin aus der Schweiz und einer bekannten Töpferin aus der nä-heren Umgebung.

 

Herzlich grüssen aus dem Burgund.

 

Thomas & Margrit

20. Juni 2004

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 3

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

Vor einem Jahr habe ich den „Goldenen Schlüssel“ der Post Uster meinem Nachfolger Roland in die Hände gedrückt und

die Postkollegen und einiges mehr hinter mir gelassen. Dies ist wohl einer unserer gescheitesten Entscheide gewesen und

wir haben schlicht viel Glück und einmal mehr das Gespür für den richtigen Moment gehabt. Also kein Blick zurück im Zorn.

 

Diese Tage werden wir die dritte und letzte Ausstellung dieser Saison abschliessen. Die bekannte Künstlerin, Monique de

Chalendar, war seit 1988 exklusiv für die galerie des Naïfs et Primitifs an der rue du Dragon in Paris tätig und nur deren Schliessung haben wir zu verdanken, dass wir sie kurzfristig für uns gewinnen konnten. Eigentlich nicht schlecht nach re-gelmässigen Ausstellungen im Salon d’Automne in Paris, an der Biennale in Canada, in Genf, Basel, Cannes, Deauville nun bei uns und nächstes Jahr in Tokyo. Ihr Werk umschreibt man am ehesten als urbanisme naïf. Das Foto zeigt übrigens ein von ihr gemaltes Bild unserer rue du Commerce in St. Gengoux-le-National; das Haus mit dem blauen Schaufenstern beherbergt die galerie d’art Espérance und in den oberen Stockwerken die Webers.

 

Vom 8. Juli bis 24. August gestalteten wir mit Daniela Jenal, Aquarellistin aus der Schweiz und mit Elisabeth Wallet, einer regional bekannten Burgunder Töpferin mit über 70 Bildern und 50 Objekten eine viel beachtete Aus-stellung. Die Vernissage wurde zu einem kleinen Fest auf der Gasse und die Gäste tanzten spontan zur Musik der historisch gekleideten musiciens „Les Hirondelles“. Von der ersten Ausstellung haben wir ja im letzten Brief aus dem Burgund berichtet.

 

Mitte Juli und Mitte August fanden zudem die Marchés de Nuit in St. Gengoux statt. Da kommen gut mal ein paar tausend Leute zusammen. Natürlich hatten wir die Galerie ebenfalls geöffnet, allerdings wurden die insgesamt rund 800 Besucher weniger von der edlen Kunst als von den handwerklichen Demonstrationen von Margrit am Webstuhl und am Spinnrad gefesselt. Man hätte beinahe neidisch werden können.

In den freien Stunden haben wir wilde Blüten, Blätter und Früchte gesammelt, die von Margrit zu Gelees und Kräutermischun-gen verarbeitet wurden und kleine Ausflüge unternommen. Vor allem in der Ferien-zeit haben wir einige Besuche aus der Schweiz empfangen, neue interessante Leute kennen gelernt und auch ein paar Stunden in den Gartenwirtschaften ver-plaudert. Diese Tage wird hier die Weinlese abgeschlossen, es scheint in jeder Hinsicht ein gutes Jahr gewesen zu sein.

 

Ab November werden wir immer wieder in der Schweiz sein, mal etwas mehr für unsere Kinder und Enkel da sein, vielleicht unserem Alter entsprechende „Unterhaltsarbeiten“ vornehmen und ein paar Ferientage irgendwo anzuhängen. Ab Mitte De-zember bis über die Festtage werden wir sicher im „Herracher“ in Uster wohnen und danach gilt es, die Saison 2005 definitiv vorzubereiten. Ab März 2005 ist die Galerie wieder geöffnet, zu Beginn mit einem Fotografen und einem Eisenskulpteur, Vater und Sohn, an-schliessend eine Malerin aus Roanne mit kräftigen Bildern in Acryl und Kleinskulpturen. Dann folgt eine im Bur-gund ansässige englische Malerin mit einer Retrospektive der vergangenen 5 Jahre und die Saison schliesst mit einer Aus-stellung „arts textils“ mit einer Textilgestalterin aus der nahen Umgebung und einer bekannten Kunsthandwerkerin aus Deutschland und wir versuchen, noch eine dritte Künstlerin aus Dänemark dazu gewinnen zu können.

 

Wir hoffen, Euch wieder mal treffen zu können und grüssen bis dahin herzlich - Thomas & Margrit Weber

 

PS: Wir sind erreichbar unter 0033 385 92 59 45 oder e-mail webertum@wanadoo.fr und ab 29.10. unter der alten Nummer 01 941 18 33.

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 4

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Seit der Weihnachtzeit sind die Monate wie im Flug vergangen. Einiges ist etwas liegen geblieben, anderes musste einfach er-ledigt werden. Es gibt also im 3. Leben immer noch Prioritäten. Zudem haben sich Sohn Benjamin und Murielle Mayer zur El-ternrolle entschieden. Am Samichlaustag wurde uns Timo als neuer Enkel vorgestellt. Ende Januar sind wir nach einer Woche „Kultur, Gesundheit und Terme“ definitiv zurück ins Burgund gefahren und haben die erste Ausstellung „meyle & meyle“,

Vater und Sohn, Fotograf und Sculpteur, vorbereitet. Den ruhigen, abgeklärten Bildern chinesischer Gärten standen wunder-liche Holz- und Blechskulpturen gegenüber. Vor allem eine klassische, schöne Ausstellung.

 

Im Mai folgte schon die nächste Vernissage. Eine farbige, fröhliche exposi-tion von und mit Françoise Hyvernat aus Roanne an der Loire, eine Malerin und Gestalterin mit Witz und Charme. Entsprechend haben sich die Kundinnen und Kunden und in der Folge auch die Künstlerin und der Galerist gefreut L’art pour l’art, aber es darf auch gekauft werden, nicht?

 

Anschliessend haben wir uns für ein paar Tage nach Uster und zehn Tage nach Budapest abgesetzt. Wir konnten mitten in der City, 50 Schritte vom Zentralmarkt quasi vom „Bauch von Budapest“ entfernt eine gut eingerichtete und völlig ruhige Ferien-wohnung mieten. So waren wir frei von Zwängen und langweiligen Frühstücksbuffets. Wirklich empfehlenswert.

 

Zurzeit läuft die Ausstellung Nummer 3; darüber werden wir Ende Oktober berichten. Per Ende August erwarten Tochter Nicole, Christian und Söhnlein Gian Deflorin das zweite Kind. Sie sind im Juli in ein „mittelalterliches“ Einfamilienhaus in Dällikon um-gezogen. Die zukünftig 3-fache Grossmutter Margrit wird wohl als „Vorausdetachement“ in die Schweiz zurückkehren und der zurück gebliebene Grossvater wir die Galerie für die letzten Tage allein hüten.

 

Anschliessend haben wir schon wieder Ferien bis etwa 18. September und am 23. ist dann die letzte Vernissage in diesem Jahr: arts textiles mit Künstlerinnen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Damit ergibt sich eine gute Verbindung zum Webatelier von Margrit, die fleissig produziert und einiges verkauft hat.

 

Neu ist die Galerie von Mittwoch bis Samstag von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr, Sonntag und Markttag (jeder 1. und 3. Dienstag) von 10 bis 12 geöffnet. Den Rest machen wir frei. Manchmal verbringen wir die Tage im „Montagnon“ auf dem Land, ausser das Haus ist gerade vermietet, machen Ausflüge in die kulturell reiche Umgebung oder fahren zum Einkaufen nach Cha-lon sur Saône (ca 20 Min, Grösse Winterthur). Da finden wir praktisch alles, seien es günstige Kinderkleider, Spezialitäten für Küche und Keller, usw. in Detailgeschäften, aber auch in Einkaufzentren mit 50 Kassen. Ein Gang durch das grosse Heim-werkerzentrum überzeugt vollends, das nächste Haus ohne Handwerker bauen zu können…

Wenn wir wirklich mal Lust nach Stadtluft haben, sind wir in fünfviertel Stunden in Lyon, eine wundervolle Stadt mit breit ange-legten Einkaufsstrassen für alle Bedürfnisse, einer romantischen, gut erhaltenen Alt-stadt, reichen Museen und sehr vielen gu-ten Restaurants. Früher das wichtigste Zentrum der Seidenweberei, gut 2 Mio. Einwohner, trotzdem übersichtlich, mit dem ÖV gut erschlossen und wir finden jederzeit einen Parkplatz zwei Minuten von der verkehrsfreien City entfernt.

 

PS: Wir sind erreichbar unter 0033 385 92 59 45 oder e-mail webertum@wanadoo.fr und manchmal unter der alten Nummer: 044 941 18 33.

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 5

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

Es dünkt mich, die Zeit seit dem letzten Brief sei „cheibemässig“ schnell vorbei gegangen. Jetzt wo es eigentlich gar nicht mehr pressiert, nicht? Aber versprochen ist versprochen.

Am 23. September haben wir die vierte Ausstellung dieses Jahres erfolgreich eröffnet: arts textiles. Ausnahmsweise hatten wir genü-gend Hilfe, schliesslich waren mindestens zwei Künstlerinnen froh, mitarbeiten zu dürfen, statt französisch parlieren zu müssen…

Mit den Werken der drei Textilkünstlerinnen hat die Galerie eine wunderschöne, farbenprächtige und sehr feminine Ambiance erhalten. Wir freuen uns ausserordentlich, diese Saison mit einer derart schönen Ausstellung abschliessen zu können.

Die Saison 2006 ist soweit gediehen, dass wir jetzt ruhig wieder etwas zurücklehnen dürfen. Das heisst, viele kleine Dinge, die im Sommer warten mussten, an die Hand zu nehmen, Reiseberichte nachzuführen und den im Compi herumliegenden Fotos den richtigen Rahmen zu geben, Bücher fertig zu lesen, die man am späte-ren Abend zur Seite legte, weil einem die Augen zufielen und was man sich alles so vornimmt und hoffentlich auch einhält..

 

Dann die Nachbarn und Freunde auf „französische Art“ einzuladen. Die eigentliche Hauptmahlzeit in Frankreich ist das Mittag-essen. Deshalb lädt man abends meistens nicht zum Nachtessen, sondern zu einem Apéritif ein. Das erspart einiges an Planung und Aufwand. Unsere Apéritifgebäcke sind heiss begehrt (man hat angeregt, sie für externen Anlässen anzubieten). Dazu ein, zwei Flaschen Blanc de Blanc mousseux und der Abend ist quasi gelaufen. Allerdings kann es auch so recht spät werden…

 

Diesen Winter werden wir etwas mehr pendeln. Zum einen sollen die drei Enkel nicht völlig ohne Grosseltern aufwachsen und wir möchten die Kinder auch ganz locker und ohne Erziehungsauftrag besser Kennen lernen und geniessen. Dann locken natür-lich auch wieder mal die Stadt Zürich, warm geheizte Landbeizen, Uster und das Zürioberland. Vielleicht möchten wir auch mal irgendwohin an die Sonne verreisen, aber immer und vor allem nicht zuletzt, gilt es, endlich einige Besuche und Versprechen einzuhalten. Schliesslich möchte man ja auch nicht vergessen gehen, nicht?

 

Was bleibt noch? Ach ja:

Wir wünschen Euch eine besinnliche und liebevolle Adventszeit und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Getreu dem Motto:

 

Wänn wach bisch, bisch gschyd

Wänn gschyd bisch, weisch Bscheid

Wänn Bscheid weisch, blybsch wach

 

 

PS: Wir sind erreichbar unter 0033 385 92 59 45 oder e-mail webertum@wanadoo.fr und manchmal unter der alten Nummer: 044 941 18 33.

 

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 6

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Natürlich habt Ihr es bemerkt: Ab dieser Ausgabe kommt der lettre de la Bourgogne nicht mehr per mail und hat auch keine „Bildli“ mehr. Die findet man jetzt auf unserer neuen Website: ww.saint-gengoux.eu/intime.aspx

 

Was wir uns für den Winter alles vorgenommen haben, ergäbe eine lange Liste. Und warum dieser Winter derart kurz war, ist anscheinend auch nicht zu beantworten. Jedenfalls war es plötzlich Frühling, bald Ostern, damit Saisonbeginn und wir schon wieder mitten drin. Und diese Tage haben wir eben zur 2. Vernissage am 8. Juni eingeladen.

 

Im Rückblick war die Ausstellung mit Liane Le Masson eine gelungene und gute. Jedenfalls sind die Künstlerin und die Galerie sehr zufrieden und die Käufer glückliche Besitzer von Bildern einer namhaf-ten Künstlerin, die seit 1968 mehrheitlich in Paris, aber auch in den USA und in Italien ausstellte. Wir sind stolz, die Le Masson zum ersten Mal im Burgund gezeigt zu haben. Anlässlich der Vernissage haben wir zusammen mit dem Maire et vice président du Conseil générale die kulturelle und touris-tische Saison in Saint Gengoux le National eröffnet. Margrit war im April für ein paar Tage in der Schweiz verreist. Schliesslich haben wir auch noch Sohn und Tochter mit ihren Partnern und drei Enkelkinder. Und in Uster haben wir nach wie vor ein Haus und unsere 2-Zimmer-Wohnung, quasi der Ankerplatz in der Heimat CH. Über das Monatsende werde ich für ein paar Tage eben da anlegen. Die Kollegen haben zum Jubiläum eingeladen, 45 Jahre nach dem Eintritt zur Ausbildung bei der PTT, in eine Laufbahn, die für viele bereits in der retraite endete und für manche der Start zu neuen Ufern bedeutete. Ein allfälliger Rück-blick kann getrost unter Nostalgie abgebucht werden. Jedenfalls gibt es ein Leben nach der Post. Ich selbst hatte dazu ja oh-nehin immer eine etwas differenzierte Meinung. Wir freuen uns auf die kommende Ausstellung mit Arnaud Franc ein ausge-zeichneter „dessinateur et peintre“ aus Paris.

Wir freuen uns auch auf unsere compatriots suisses, die, falls im Burgund, bei einem Schwenker in unsere Gegend auch Webers hereinschauen. Übrigens, das Burgund ist nicht nur Dijon und die Kel-lereien der Côte d’Or. Der Canton de Saint Gengoux le National liegt im Zentrum eines wunderschönen Freizeitgebietes, auf der Grenze zwischen der Côte Chalonnaise (Pinot noir) und dem Mâconnais (Chardonnay).

 

Wir grüssen herzlich aus dem Burgund

Thomas & Margrit Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 7

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Seit der Ausgabe No 6 sind schon wieder zwei Monate vergangen. Die Ausstellung mit Arnaud FRANC, dem dessinateur et peintre artiste aus Paris ist vorbei und die neue bereits seit zwei Wochen eröffnet. In der aktuellen Ausstellung zeigen wir Bilder von Chantal BAUD, Werke aus drei Monaten Asienaufenthalt unter dem Titel City, Ciudad, Cita, « trois mots qui résonnent comme un triptyque, nous entraînent entre Orient et Occident, entre abstraction et figuration dans des sites insolites emprunts de mystère et de chaleur… ». Bilder voller leuchtender und warmer Farben, etwas verträumt, zum Reisen ver-lockend. Daneben zeigen wir eine 10er-Serie Figuren in Ton von Cornwall: « The Chorus Girls ». Witzig, amüsant and very british. Sechs Stück haben bereits neue Besitzer erhalten

 

Nachdem alle Gäste wieder abgereist sind, verbringen wir die freien Tage in unserem „Landhäuschen Montagnon“, pflegen das Umgelände (Margrit), sammeln wilde Früchte und faulenzen (Thomas). Die Schlehen sind dieses Jahr so gross wie die Pflümli. Die beiden Katzen, die uns adoptierten, kommen jeweils mit und entdecken den Hof, jagen Eidechsen und Käfer oder liegen im Schatten unter dem Rosmarin. Die Zeit vergeht im Flug, Langeweile kommt nicht auf.

 

Gerade hochsommerlich ist es auch bei uns nicht. Hoffentlich wendet sich das Wetter zum Guten, denn übermorgen ist wieder Nachtmarkt. Dann sind die Gassen voller Verkaufsstände, die Läden bleiben geöffnet beinahe bis Mitternacht und der ganze Canton kommt zum Flanieren und Kramen in unser Städtchen. Wie gewohnt werden 3 - 400 Leute durch die Galerie und das Webatelier ziehen, man trifft sich, schwatzt und tauscht „Neuigkeiten“ aus. Das Hauptthema ist natürlich der Reifestand der Reben, man spekuliert auf eine vorgezogene Weinlese und sorgt sich wegen der grossen Menge, die dieses Jahr anfällt. Und samstags ist wieder „Jour de Patrimoine“ und Gérard und ich werden die französischen und die deutschsprachigen Gästen durch unsere Stadt und anschliessend zur Weinkellerei führen. Ich freue mich jedenfalls, es hat immer auch ein paar Schweizer dabei.

 

Die Wochenenden sind gut besetzt, überall finden Konzerte statt und an den Sonntagen werden immer in mehreren Gemeinden Flohmärkte organisiert. Da wird viel Ramsch angeboten, aber man macht auch seine ganz speziellen trouvailles.

 

Herzlich grüssen aus dem Burgund, Thomas und Margrit Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 8

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Diese Tage endet die Saison 2007, zugegeben etwas früher als in den vergangenen Jahren, aber mit der Überzeugung, dass wir ein paar Dinge nachzuholen hätten. Zum Beispiel ein altes Versprechen einzulösen, unsere „ältesten“ Freunde in ihrer zweiten Heimat zu besuchen. Zu Beginn Oktober werden wir also die Fähre nach Korsika nehmen, langsam nach Süden gondeln, dann nach Sardinien übersetzen und ein paar Tage bei Schneider’s verbringen. Immer auf der Suche nach dem unserem Alter ent-sprechenden Jahreszeit: der sonnige und milde Herbst.

Jedenfalls: Am 22. Oktober um 07.00 habe ich im Strassenverkehrsamt mein Auto vorzuführen; nicht verschiebbare und letzte Frist, die ordentliche Schweiz hat uns wieder, na ja.

 

Im Rückblick war es eine gute Saison, wenn auch das Wetter manchmal einen Strich durch die Rechnung machte. Das tut zu-weilen weh und ist langweilig. Allerdings betrifft das nicht nur uns, aber Gewerbetreibende folgen auch in Frankreich der Regel „Höch aagä oder klöne, je nach Situation“.

Nach einem fulminanten Saisonstart mit eher klassischen Stillleben, die sinnigerweise in französisch „nature morte“ heissen, forderten wir mit einem modernen Zeichner und Maler die Diskussionen heraus. Gefolgt ist dem eine sehr weibliche und deko-rative Ausstellung und zum Ende stellen wir Werke des Post-Kubisten Jean Schück aus: lebendige Bilder vom Markt in Chalon und Landschaften aus der nahen Umgebung. Aber das alles können Sie ja auf dieser Website betrachten, nicht?

 

Bereits sind wir in der Schlussphase der Planung für die kommende Saison. Wir sind glücklich, Ihnen auch im nächsten Jahr namhafte Künstlerinnen und Künstler vorzustellen und freuen uns darauf, Ihnen zu gegebener Zeit das Programm 2008 zu-senden zu dürfen. Bis dahin vergeht allerdings noch etwas Zeit, Zeit in der wir zwischendurch unsere Familie und Freunde in der Schweiz besuchen.

 

Herzliche Grüsse aus dem Burgund

 

Thomas & Margrit

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 9

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Im letzten Lettre de la Bourgogne schrieben wir von der Absicht, langsam nach Süden zu gondeln, immer auf der Suche nach der unserem Alter entsprechenden Jahreszeit: dem sonnige und milde Herbst. Die Wettergötter waren uns sehr gnädig, auf Korsika assen wir jeden Abend unter den Bäumen und auf Sardinien lief eben gerade die Badesaison aus.

Weihnachten waren wir natürlich „zuhause“. Bei Sohn Benjamin in Wermatswil haben wir im Kreise der Familien die Kerzen angezündet und gemeinsam gegessen und gesungen. Ganz schön tradi-tionell. Am 25. haben wir Margrits Mama und am 26. die Stämme meiner Schwestern, die sich bei Barbara im Solothurner Jura zusammenfanden, besucht. Anschliessend ging es gleich weiter über die Grenze nachhause in Saint Gengoux.

 

In Frankreich darf man die Neujahrswünsche bis zum 31. Januar überbringen. Nachher soll gefälligst der Frühling kommen, aber das gilt vermutlich für jedermann und überall. Vorbei mit den traulichen Gesprächen mit Freunden, die schnell auf einen Kaffee an das Schaufenster klopfen. Frühling heisst auch, den Webstuhl, den Margrit über den Winter in der Galerie aufrich-tete, wieder in ihr Atelier zu zügeln. Sie hat sehr schöne Stücke gewebt und mit verschiedenen Techniken experimentiert.

 

Und vor allem heisst Frühling für uns, die Türe zur Galerie wieder weit zu öffnen. Allerdings dieses Jahr erst im April. Diese Ostern sind einfach zu früh, die kalten Häuser laden die résidents secondaires aus Lyon und Paris noch gar nicht ein, Saint Gengoux wird weitere vier Wochen vor sich hinträumen. Aber am 25. April geht es dann definitiv los mit der Saison 08.

 

Wir freuen uns auf eine weitere Ausstellungssaison mit ganz verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Zwei Ausstellungen werden mit Werken von sculpteurs ergänzt. Natürlich würde es uns freuen, Euch in der Galerie begrüssen zu dürfen. Jedenfalls, die Kaffeemaschine läuft immer. What else? Oder so.

 

Herzlich grüssen aus dem Burgund, Thomas & Margrit Weber

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 10

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen, Zeit für den aktuellen Brief aus dem Burgund.

 

Über den Winter hinweg hat Margrit ein Projekt dem andern folgen lassen. In verschiedenen Techniken hat sie Ideen verwirk-licht, die ihre Arbeit am Webstuhl definitiv in neue Bahnen lenkt. Sie betrachtet ihr neues Werk zwar sehr kritisch, aber da ent-steht etwas, das die Grenze zwischen Handwerk und Kunst verwischt. Jedenfalls haben dies andere auch erkannt.

 

Die Galerie ist wieder offen. Zugegeben, es wurde langsam Zeit, obgleich das Wetter wie überall unfreundlich war und die Fremden, Touristen und résidents secondaires deshalb mehrheitlich wegblieben. Die Presse schrieb zur Vernissage: « La galerie s’est vite avérée trop petite pour accueillir tous les amateurs d’art. Joël Pierre, le maire, a honoré le vernissage de sa présence ». Jedenfalls trank die Hälfte der Besucher den Apéritif auf der rue de l’Espérance…

Ausgestellt wird das Werk des Malers Michel Dufour, das carnet de voyage eines passionierten Reisenden in die Vereinigten Staaten, nach Südamerika, Indien, Burma und Usbekistan. Dufour ist eigentlich durch seine grossen Ölbilder bekannt ge-worden, er stellt regelmässig in Frankreich, Spanien und Deutschland aus. Die bei uns gezeigten Gouachen sind deshalb eine besondere trouvaille.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Skulpturen des bekannten Bildhauers Bernard Husson aus Tournus, der vor allem in der Re-gion und in Belgien ausstellt. Die Ausstellung ist übrigens bis zum 25. Mai geöffnet.

 

Wie jeden 1. Sonntag im Mai fand die „Cavalcade“ statt, ein Umzug mit den Schönheitsköniginnen – zumeist drei wärschafte Mädchen vom Land - Musik und Chilbi. Der ganze Canton steht am Strassen-rand und klatscht begeistert. Im Mai ist ohnehin bereits viel los; jeden Samstag und Sonntag Konzerte, von Hip-Hop bis Madrigale aus dem 14. Jahrhundert, Theatervorfüh-rungen, 4 Tage Festival Guitares, soirées bourguinonnes mit Schnecken, Froschschenkel und Fromage blanc (na ja!), portes ouvertes mit Degustationen, usw. Ich habe 18 verschiedene Veranstaltungen gezählt, für einen Kanton mit 19 Gemeinden und 3000 Einwohnern ein sehr grosses Angebot.

 

Langsam kippt der Frühling zum Sommer, an den Waldrändern blühen die Orchideen, im Lac des Laives geht’s zum Baden: Luft 28° Wasser 14°…

 

Herzlich grüssen

 

Margrit & Thomas

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 11

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

es regnet in Strömen, also genügend Zeit zum Schreiben.

 

Bis zum 20 Juli dauerte die Ausstellung „Palette odorante“. Laurette Succar stellte aus, über dreissig Bilder, abstrakt, in Natur-farben und vor allem duftend. Tatsächlich dufteten die Bilder. Die in Beirut geborene Künstlerin gestaltet Ihre Bilder mit ori-entalischen und fernöstlichen Gewürzen wie Za’atar, Kurkuma, Curry, Koriandersamen, Pfeffer, Tandoori und Garam Masala, die sie mit einem geruch- und farblosen Binder direkt auf die Leinwand aufträgt. Entsprechend hat nicht nur unsere Galerie, sondern auch der ganze Platz davor geduftet: wie ein orientalischer Basar!

 

Seit dem 25. Juli stellen wir nun das Werk der französische Künstlerin Coleen aus, man spricht von der „dentellière de l’art naïf“, „une étoile montante“. Sie malt ausschliesslich Ihre offensichtlich durch-wegs glückliche Träume. Vergangenes Jahr hat sie einen nationalen Preis geholt, die Ausstellung bei uns in der Provinz wird wohl eine der letzten Chancen sein, nachher wird sie nur noch den grossen Galerien gehören… Begleitet wird diese Ausstellung von einer kleinen Serie ebenfalls verträumter Skulpturen von Françoise Emery.

 

Margrit und ich sind mit den Katzen mehrheitlich ins Montagnon übersiedelt, je nach Lesart in unsere Sommerresidenz oder cabane d’été. Sie pflegt Haus und Garten und ich pendle täglich zwischen Haus und Galerie. Fast schon wieder berufstätig, nicht? Natürlich kommen auch die zahlreichen Freunde und Bekannten vorbei, zu einem Schwatz, zum verre de l’amitié oder zum apéritif allongé am langen Tisch im Hof.

Unterbrochen werden diese „Ferien auf dem Land“ durch den Besuch unserer Kinder und Enkel. Margrit nutzt dies jeweils für eine ausgedehnte Verwöhnübung und das ist gut so. Schliesslich sollen die Enkel nicht völlig ohne Grosseltern aufwachsen müssen. Alles in Allem: Es geht uns gut!

 

Die Saison dauert dieses Jahr bis ende September; bis dahin liegt ein längerer Besuch in der Schweiz nicht drin. Aber an-schliessend haben wir ja wieder fast ein halbes Jahr frei. Herzliche Grüsse aus dem Burgund

 

Thomas & Margrit Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 12

 

Liebe Verwandte, Freunde, Kolleginnen, Kollegen

 

Das Weihnachtsfenster der Galerie in Saint Gengoux le National schmückt zugleich die Karte zu den diesjährigen guten Wünsche zum Jahreswechsel.

 

Im vergangenen Monat sind just fünf Jahre vergangen seit unserem Auszug ins Burgund. Bis jetzt war es eine bewegte und spannende Zeit, wir haben viel erlebt, zu 19 Vernissagen eingeladen und ebenso viele Male mindestens 350 petits fours salés produziert. Wir haben viele Menschen kennen und viele französische Eigenheiten verstehen oder akzeptieren gelernt. In der Zwischenzeit wurden 12 „Lettres de la Bourgogne“ publiziert und zum Nachlesen unter www.saint-gengoux.eu/intime.aspx > Archives des lettres auf unserer website abgelegt.

 

Die nächste Saison ist quasi gebucht. Jetzt beginnen die Feinarbeiten, aber auch unsere Ferien bis in den Frühling 2009. Aber was heisst schon Ferien bei uns? Margrit ist gerade am Zetteln für eine neu-es Projekt, eines von vielen, weil mittlerweile ist im Montagnon ein Webstuhl von einer Freundin aufgestellt und in den vergangenen Wochen hat sie von der Töpferin Regula einen weiteren Webstuhl geerbt. Ich trage auch ein paar Ideen im Kopf herum, aber sie sind einfach noch nicht reif. Zudem bin ich bei der Organisation des 1. Weihnachtsmarktes eingespannt, schliesslich hat man mich zum „Tresorier“ des Gewerbevereins bestellt. Na ja.

 

Über Weihnachten werden wir für ein paar Tage im „Herracher“ in Uster sein, gemeinsames Singen ist angesagt, Verwandt-schaft und Freunde wollen besucht und natürlich ein paar Dinge besorgt sein, die man anscheinend partout nicht in Frankreich erhält.

 

Wir freuen uns weiterhin auf euer Interesse und grüssen herzlich aus dem Burgund

 

Thomas & Margrit Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne no 13

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Es ist schon eine lange Weile her und der letzte „Brief aus dem Burgund“ war noch von der Vorfreude auf das Zusammensein mit den Clans der Familie, mit gemeinsamem „Singen unter dem Weihnachtsbaum“ und einem Ausblick auf die kommende Saison geprägt. Nach einem wirklich kurzen Aufenthalt in der Schweiz sind wir wieder ins Burgund zurückgekehrt und im Ja-nuar versandten wir das Programm 2009.

Eine Woche vor Ostern haben wir dann die 20. Ausstellung eröffnet. Nicht alle, aber sehr sehr viele sind gekommen, eine schöne Vernissage mit einer ebenso schönen Rede des Bürgermeisters und gleich waren wir wieder voll dabei… Just auf Ostern hin konnten wir wieder die bekannte Künstlerin Chantal Dunoyer gewinnen, Thema „Le retour de la basse-cour“, die Rückkehr des Hühnerhofes. Kaligrafien, Kartons und Federvieh aus Pappmaché. Modell gestanden haben ihr dazu die Hühner, Hähne, Enten und Gänse auf dem mittelalterlichen Familiensitz in den Hügeln des Morvan. Nach einem weiteren Kurzbesuch in der Schweiz folgte die zweite, wiederum gut besuchte Vernissage, une exposition très féminine, mit Françoise Hyvernat, Kunst-malerin aus Roanne und Renate Morgenthaler mit witzigen Skulpturen. Sie lebt in der Gegend als résidente secondaire, ist seit 40 Jahren Genferin, aber eigentlich trotzdem aus Stein am Rhein... Und eben ist bereits die dritte Vernissage über die Bühne gegangen. Wir stellen bis zum 9. August Bilder des Elsässer Malers Pierre Le Preux aus. Kraftvoll, abstrakt, das Werk eines reifen, arrivierten Künstlers.

 

Um auf neue Höhen zu steigen, muss man Ballast abwerfen. Wie beim Ballonfahren.

 

Über den langen Winter hin hatten wir genügend Zeit zum Nachdenken über fortschreitendes Alter und noch möglichen Chan-cen. Das Resultat: Das Stadthaus „Espérance“ in Saint Gengoux le National mit Galerie und Webatelier bleibt in der heutigen Form bestehen. Das Landhaus „Le Montagnon“ in Besanceuil, so sehr wir es auch lieben, wird verkauft. Das Haus im Herracher in Uster wurde per Ende Juni von unserer Mieterin übernommen. Sie freut sich gewaltig.

Neu dazu kommt ein coup de foudre mit Namen « Moulin de Chigy ». Mit Haus, Hof, basse-cour (siehe oben), Obstgärten, Scheunen, Mühle, Fischbach und Weide. Zugegeben, ein bisschen verrückt.

 

Herzliche Grüsse aus dem Burgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 14

 

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Mitte Oktober war die Saison definitiv zu Ende, eine Saison, die auf den Schluss hin sehr ruhig wurde. Trotz sommerlichen Tem-peraturen. Jedenfalls werden wir bei der künftigen Planung daran denken.

 

Noch in den Herbstferien weihte Sohn Benjamin mit seiner kleinen Familie das Wohnhaus der Mühle ein. Und es funktioniert alles, nachdem Monsieur Lautissier mich in die Geheimnisse der Zentralhei-zung eingeführt hatte. Mit ihm wurde auch ein Handwerker aus nächster Umgebung gefunden. Benjamin hatte gekonnt einen Teil der Bäume geschnitten und sich damit gleich die Einladung zu regel-mässigen Herbstferien eingehandelt. Eine Woche später kam Martin Hauser vorbei; er ist im solo-thurnischen Jura mit einer Bauerntochter verheiratet, hatte einen Baumschneidekurs genommen und uns umgehend seine Kenntnisse weiter vermittelte. Die restlichen 15 Bäume haben wir deshalb selbst gekürzt; hoffentlich nicht allzu radikal.

Aber auch verschiedene Neupflanzungen mussten gemacht werden. Jenen Pflanzenzüchtern, die für eine einzelne wilde Rebe ein Loch von 50 cm in alle Richtungen empfehlen, wünschen wir auch mal derart steinige Böden, wie wir sie ums Haus haben! Anschliessend musste auch noch die Linde geschnitten und der Riesenhaufen von Ästen zwang uns zum Kauf eines Häckslers. Und wir haben uns der Freilegung der Weiherböschung angenommen und jetzt sieht alles schon recht ordentlich aus.

 

Nach einem langen und warmen Herbst kippte das Wetter, pünktlich am 1. November gab es auch einen ersten Nebeltag. Der verschwand allerdings noch vor 11 Uhr und zurzeit erleben wir alles zwi-schen Sonne und Regen. In der Zwischenzeit wurden im Estrich fünf Dachfenster eingebaut, das ganze Dach kontrolliert, die Abläufe gereinigt, einzelne Ziegel ersetzt und ein allzu tief liegender Querbalken ersetzt. Selbst der fünf Meter hohe Blitzableiter ist wieder an der Erdung angeschlossen. Auf dem Dachstock werden bis im Frühling drei Schlafzimmer und ein Stübchen eingebaut; es gibt also genug Platz für Familie und Freunde.

Apropos Freunde: Bei einem überraschenden Besuch von Max und Ruedi aus dem ehemaligen ZV VSPB haben sie und ihre Frauen sich spontan für Mithilfe im nächsten Jahr angemeldet; gegen Kost und Logis.

 

Zusammen mit Bruno, einem französischen Kollegen, wurde ein altes „versottenes“ Cheminée abgebaut; etwa zwei Kubik Steine mussten kübelweise in den Hof hinunter getragen werden. Das brauchte einige Kondition, und anschliessend musste noch die alte Gipsdecke im Taubenturm raus. Zumindest der Hüter der „dechetterie“ begrüsst heute schon mit Handschlag.

Quasi als Dessert zwischendurch müssen die Schleusen überwacht und geregelt werden, weil vor dem Haus ein dreifacher Wasserfall tost. „Buebeträum“!

 

Herzliche Grüsse aus dem Burgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

PS: In der Zwischenzeit sind Weihnachten und Jahreswechsel vorbei, das „Singen unterm Weihnachtsbaum“ hat dieses Jahr nur im kleinen Familienkreis in Wermatswil stattgefunden und wir sind bereits wieder im Burgund. Und beide „plangen“ auf den Frühling.

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 15

 

Liebe Verwandte und Freunde

Und beide „plangen“ auf den Frühling. So endete der letzte Brief aus dem Burgund. Am 14. Februar waren wir zum Fête de Saint Blaise, dem Dorfheiligen eingeladen. Ein gutes Omen, er ist auch der Schutzpatron der Müller und Tuchweber. Gut die Hälfte der siebzig Einwohner sind gekommen, wir zwei standen mittendrin und alle, aber definitiv sämtliche wurden geküsst, denn wir gehören seit dem Neujahrsempfang offiziell zur Dorfgemeinschaft. Madame Vautrin (dritte aktive Generation) machte die Runde mit ihrem einen Monat alten Säugling, dem jüngsten Gemeindemitglied. Zwei Frauen aus dem Dorf hatten gekocht: Nach dem Apéritif gab es Salat, einen Riesenteller mit Sauerkraut, Würsten, Schinken, Speck, dann der obligate Käse gefolgt von Dessert und Kaffee mit Güx aus privatem Brand. Dazu natürlich Weisswein und Rotwein und zum von der Bürgermeisterin gespendeten Crémant wurde die Musikanlage lauter gestellt und einige wagten ein Tänzchen zur Musette.

Am Karfreitag, übrigens in Frankreich kein Feiertag, war Saisoneröffnung, die erste Vernissage 2010 mit Yannick Varlet. Er stammt aus der Champagne, wo er auch nach wie vor lebt. Aber sein press-book weist auch auf seine internationale Präsenz hin: Ausstellungen in Deutschland, China, in den USA, in Großbritannien und in der Schweiz. Er hat die Malerei als seine ei-gentliche Ausdrucksart gewählt, sie repräsentiert eine ganz persönliche Vitalität. Spricht er von den Farben, spricht er wie von Leckereien. Die Ausstellung dauert bis 2. Mai. Gleichzeitig wurden die Kundschaft, unsere Freunde und Bekannten über unsere neuen Pläne informiert: Le chemin est le but. Suivant cette philosophie de Konfusius nous avons décidé d’attaquer encore une fois un grand projet. Cette décision aura en suite aussi des conséquences pour notre planification du futur chemin de vie. Naturellement nous garderons la maison « Espérance » avec sa galerie d’art et son atelier de tissage, avec des heures d’ouvertures un peu plus limitées. Die neuen Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag 10-12 und 14.30-18.30, Sonn- und Markttag 10-12.

Und damit sind wir bei der Mühle. In der Zwischenzeit ist der Frühling definitiv eingetroffen; Schwarzdorn, Mirabellen und Pfirsiche blühen weiss und rosa. Die mühevoll ausgerissenen Brennnesseln haben wieder neu gewurzelt, im Wäldchen zwischen Bach und Mühlebach blühen die Jonquilles und Schlüsseli und der verpflanzte Bärlauch hat sich gut erholt. Die Niederschläge im März haben sehr viel Wasser gebracht; wir mussten das Wehr voll öffnen um die Wiesen vor weiterer Überschwemmung zu bewahren. Natürlich nicht ohne vorher den Kollegen von der nächsten Mühle zu benachrichtigen.

Die Maurerarbeiten im Haus sind abgeschlossen, das Dach isoliert und verpackt, der Schreiner seit ein paar Tagen an der Arbeit. Jetzt haben wir auch einen Küchenbauer gefunden, der unsere grosse Küche anfangs Juni ausgestalten wird. Nächstens kommt der Maurer wieder zum Zug, Fensterausbruch am Wasser und die Terrasse auf der Morgenseite stehen an; jedenfalls geht die Arbeit nicht aus. Das « Montagnon » ist an ein sehr nettes Paar aus Paris mit drei Kindern verkauft, Petermanns, die regelmässig bei uns waren, haben eine Ferienwohnung in der Nähe gemietet und in den Frühlingsferien kommt Nicole mit den Kindern zum ersten Mal in die Mühle; wir freuen uns auf das Wiedersehen nach einem langen Winter!

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 16

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Eben noch hatten wir zur Vernissage der 3. Ausstellung geladen, zu Pernette & Pernette mit kraftvollen farbigen Bildern von Nicole und poesiereichen Bildern und spinnigen Objekten von Daniel, seinen „objets poèms“. Eine wunderschöne Ausstellung. Allerdings war es jetzt wiederum zu heiss zum Bummeln in den Gassen. Die Ausstellung dauert bis 8. August und gleich an-schliessend folgt die vierte und bereits letzte Ausstellung dieser Saison mit Michel Lécuyer. Sie wird bis Mitte September dauern.

Von wegen: dieses Jahr bleibt unser Ruf als Mäzene gesichert. Frankreich feiert definitiv die Krise, klönt wegen den Preisen, streikt gegen die Rentenreform, die Abschaffung der 35-Stunden-Woche oder irgendwas anderes und will partout kein Geld ausgeben, ausser es handelt sich um „la bouffe ou les voitures“. Am Sonntagmittag jedenfalls bemüht man sich vergebens um ein Plätzchen in den Gault-Millau-Restaurants und deren Parkplätze sind voll teurer Autos; denn was man verdaut, kann einem niemand mehr nehmen und wer etwas auf sich hält, kauft schliesslich einen deutschen Wagen.

 

Auch bei uns war Hochsommer, Temperaturen um die 35° waren drei Wochen durchaus die Regel und Bauer Jean-Charles kündete an, dass sich dies bis Mitte August halten werde. Der Wasserspiegel lag einen halben Meter zu tief, das Laub sammelte sich vor dem geschlossenen Wehr und reizte nicht gerade zum Baden. Die gute Botschaft war, das Gras wächst nicht nach, der Mäher ruhte fast seit zwei Wochen. Nun, am Mittwochabend hat es dann endlich geregnet, kräftig sogar, jedenfalls genug zum Öffnen des Wehrs um fünf Uhr früh. Jetzt sieht alles wieder freundlich aus und die Temperaturen sind angenehme 25°. Die Beeren sind verarbeitet und auf die paar Kirschen freuen sich dieses Jahr am ehesten die Vögel. Die Pfirsiche und Mirabellen hingegen werden einiges an Arbeit bringen.

 

Zwischendurch bleibt auch Zeit, etwas näher mit der Natur zu leben: Auf der Hühnerwiese grast in der Dämmerung der Sumpf-biber, gegenüber jagen der Reiher und der Eisvogel nach kleinen Fischen, die Schwalben im Schweinestall sind bereits ausge-flogen und gegen Abend sucht der Fuchs in Sichtweite nach Mäusen und der Igel strebt unserem Wäldchen auf der Halbinsel zu. Und unsere Katze Tomette hat sich einen schneeweissen Hausfreund aus dem Dorf zugelegt, der allerdings nur nachts vorbeikommt. Wir hoffen, der vorbesitzende Tierarzt hat seine Arbeit gut gemacht… Landleben eben.

 

Im September beginnt eine nächste Bauphase. Der Kanal unter der Strasse und die Turbine aus dem 19. Jahrhundert sollen freigelegt und die Transmissionen repariert werden. Das wird ein bisschen so etwas wie eine Wundertüte; bei viel Glück kann dies zum Beginn einer eigenen Stromproduktion führen, ansonsten läuft eben nur ein sauberes Wässerchen für ein paar Dut-zend Zuchtforellen in den Mühlebach. Dann stehen auch noch die Isolation der Werkstatt und der Umbau des Mühlehäuschens an. Nach den Plänen soll es ein kleines, selbständiges gîte werden. Auch da werden wir sehen, wie weit wir kommen werden. Jedenfalls gehen die Arbeit und die Ideen nicht so schnell aus.

 

Wir wünschen allen noch eine schöne Sommerzeit und grüssen herzlich aus dem Südburgund!

 

Margrit & Thomas Weber

 

Übrigens: Die Fotos auf der website www.saint-gengoux.eu/MoulindeChigy.aspx wurden überarbeitet.

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 17

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Ganz zuerst: Es geht uns gut, die Arbeiten in und um die Mühle gehen planmässig voran. Der plâtrier hat das Wohnzimmer, den Hausgang und das Entrée schön gemacht und nach einigen Umständen mit dem Teppichleger ist die gute Stube wieder einge-richtet. Der Kanal ist von vielen Tonnen Lehm, Sand und Holz freigelegt, die Mauern im Mühlebach sind repariert worden und am vergangenen Sonntag konnten wir zum ersten Mal, vermutlich nach über zwanzig Jahren, das Wasser durch den Kanal über die Turbine leiten.

 

Ende Oktober haben wir die drei Esel wieder dem Besitzer in Bézornay zugeführt; sie hatten die grosse Wiese komplett leer gefressen und mussten mit Heu aus dem Stock von Freunden nachgefüttert werden. Letztlich eine gute Erfahrung, aber auch recht viel Arbeit, wenn man sich ernsthaft mit der Haltung von Tieren beschäftigen will. Jedenfalls werden wir nächstes Jahr die Wiese eher dem guten Gedeihen von Wildkräutern überlassen, zumal Margrit unbedingt ein paar Hühner möchte, die dann wenigstens Eier produzieren.

 

Nach wie vor ist ungewiss, ob wir für die Wintermonate ins „Espérance“ nach Saint Gengoux umziehen werden. Allerdings sind wir im dicht gebauten Städtchen in jenen Monaten nicht gerade verwöhnt mit Sonnenschein, aber die Nähe der Läden und Cafés ist halt auch angenehm, die Möglichkeit, „de faire les courses en pantoufles“ verlockend, die Einladungen am Chemi-néefeuer eine gute Gelegenheit zur Pflege der Freunde ausserhalb der Saison. Die relativ lange Abwesenheit hat uns etwas vom täglichen Lauf der Dinge entfernt. Doch die Entscheidung zwischen zwei beheizten Häusern fällt nicht leicht.

 

In diesem Winter werden wir das Erdgeschoss an der rue de l’Espérance mit der Galerie und dem Webatelier baulich von der Wohnung trennen, quasi als Vorarbeit auf die 3 ½. Lebensphase. Das wird erlauben, das Haus erweitert zu nutzen. Da wir auf jeden Fall von Frühling bis Herbst in der Mühle wohnen werden, wird die Stadtwohnung für Freunde und nahe Bekannte als Ferienwohnung zur Verfügung stehen. Eine komfortabel ausgebaute Ferienbleibe mitten im mittelalterlichen Städtchen Saint Gengoux le National als Ausgangspunkt für ausgedehnte Velotouren und Wanderungen, zu den zahlreichen Kulturgütern im Südburgund und nicht zuletzt zum nahe gelegenen weltbekannten ökumenischen Zentrum von Taizé.

 

Zudem wird sich „Moulin de Chigy“ als chambre d’hôte Gäste aufnehmen. Die Gestaltung einer entsprechenden Website ist in Vorbereitung. Jedenfalls freuen wir uns auf die nächste Saison und grüssen ganz herzlich aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 18

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Die letzte Ausgabe erfolgte im vergangenen November, lang lang ist’s her, zugegeben. Nun, wie immer – Holz aalange! – es geht uns gut. Wir sind jetzt doch auch über den Winter in der Mühle geblieben und haben einige Arbeiten in und um die Häuser erledigt. Gleich nach den letzten Kältetagen hat Roland, unser „Haus- und Hofmaurer“ mit dem Verfugen der Wände im Mühle-häuschen begonnen, den Bau der Decke und des Fussbodens werden wir demnächst, die Isolation des Daches im Herbst an-gehen. In der Mühle wird jetzt definitiv das neue Webatelier von Margrit entstehen, zumindest im Parterre…

 

Unter anderem entstand auch der Aussenhof für die Hühner; das eigentliche Hühnerhaus wurde von Margrit möbliert und seit Mitte April sind auch fünf Hühner eingezogen. Nach einer ersten Phase der Eingewöhnung und Wurmkur liefern die drei „pon-deuses rouges“ und die zwei Sussex-Hennen fleissig Eier. So fleissig, dass Margrit in die Produktion von Teigwaren, Kuchen und Brote eingestiegen ist; wir werden wohl einen weiteren Tiefkühler kaufen müssen…

 

In den Frühlingsferien waren Petermann’s aus Mönchaltorf mit ihren Kindern zu Besuch; einer bald 15-jährige Tradition folgend. Auch Jacqueline, die Nichte von Margrit, weilte mit Lasse, ihrem schwedischen Partner ein paar Tage bei uns. Dann nutzten die Familien Baumann und Hiltpold aus dem „Herracher“ in Uster das Angebot eines verlängerten Wochenendes und ein Pärchen aus dem Greyerzerland übernachtete ebenfalls zweimal. Wir freuen uns auf weitere nette Besuche und erinnern gerne an un-sere website unter www.saint-gengoux.eu/WeekendimBurgund.aspx.

 

Vor Ostern wurde auch die Galerie in Saint Gengoux wieder eröffnet. An der Vernissage mit Ölbildern von Michel Dufour waren wieder mal alle da und der 1er ajoint hielt eine schöne Rede zur „Eröffnung der kulturellen Saison 2011, ein event, der tradi-tionell bei uns stattfinde“. Wir danken für die Blumen. Und seit vergangenem Freitag steht bereits die zweite Ausstellung unter dem Titel „Entracte“ offen; sie dient dem Hinweis auf die ständige Präsenz von 16 Künstlern im Depot unserer Galerie. Sie zeigt eine breite Palette von verschiedenen Techniken und Stile. „Les Femmes fatales“, Figuren von Michèle A., die Stilleben der Comtesse de Mun, Art déco von Chantal Baud, Werke von Coleen, der „dentellière de l’art naïf“, die gebrannten Thierry-bethiens, die Bilder klassischer paysagistes, Figürliches und Abstraktes bis zum peintre furieux Le Preux aus dem Elsass, kurz zwölfmal Malereien, 4 mal Skulpturen. Diese Ausstellung dauert bis 26 Juni. Ab 9 Juli folgen Pierrette Lafarge und Christian Déjeux und gleich darauf bis Mitte September Raphaëlle Jouffroy.

 

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 19

 

Liebe Verwandte und Freunde

 

Die Saison ist vorbei, die Besucher abgereist nach Paris, Lyon, nach England, Holland und nicht zuletzt in die Schweiz. Es ist ruhiger geworden im Burgund und wir geniessen die herrlichen Sommertage am Weiher und in und ums Haus herum. Aber halt, seit drei Tagen ist auch hier der Herbst eingezogen, mit Wind und Regen; wohl liegen wir auf gut 200 m/ü.M. sicherlich kein Schnee, aber der frisch gekehrte Kamin musste trotzdem angebraucht werden. Doch jetzt ein Blick zurück:

 

In den Sommerferien war unsere Tochter Nicole mit Familie zu Besuch, Gian und Nino spielten am Wasser und Christian half beim Materialtransport und beim Einbau der Zwischendecke in der kleinen Mühle. Zu zweit geht es ist eben doch einfacher. Dass der Umbau noch nicht vollendet ist, liegt nur noch an den Handwerkern, aber nächste Woche soll dies ganz sicher anders sein, promis!...

 

Im Mühlehaus wird das neue Webatelier von Margrit entstehen und ein zweiter Webstuhl einer Freundin dazu kommen. Viel-leicht gelingt es, in Zukunft Ferienwochen mit Weben und stages für den Winter zu veranstalten.

 

Dass wir im September für eine Woche in die Ferien reisen konnten, haben wir Jacqueline und Lasse zu verdanken, der Nichte von Margrit und ihrem Partner. Sie haben das Hüten von „Haus, Hof und Viechern“ übernommen. So befreit, sind wir losge-fahren, haben im chambre d’hôte einer Mühle auf dem „Plateau des 1000 Vaches“ übernachtet, gut gegessen und ein Biker-Paar aus den USA unterhalten. Und dabei unser leicht beschädigtes Englisch ein bisschen aufgefrischt. Anderntags ging es weiter nach Sarlat im Périgord noir, Region der Trüffel, von foie gras, der 1000 Schlösser, der Höhle von Lascaux. Eigentlich haben wir immer auf die Gänseleber verzichtet, von wegen Stopfen, aber ein Sündenfall ist ja erst einer, wenn man ihn be-geht… Bref, nach drei Tagen zum Zmittag und zum Znacht, kann man leicht für ein Weilchen auf foie gras verzichten; herz-lichen Dank für das Verständnis. Getreu dem Motto, Ferien sollten auch etwas abenteuerlich sein, blieben wir mit einer Panne hängen, mussten den Citroën stehen lassen und mit einem Mietwagen vom Fluplatz Clermont-Ferrand aus nachhause fahren. So sind die Ferien auch noch auf ihre Kosten gekommen, quasi.

 

Eigentlich haben wir die Ausstellungssaison abgeschlossen, allerdings nur, um ab 22. Oktober wieder zu öffnen, mit Bildern aus dem Depot unserer Künstler und mit Künstlern, die dazu kommen. Auf dass der Winter nicht zulange wird und wir nicht ver-gessen gehen. Die Galerie wird deshalb am Samstag 10-12 und 14.30 – 17.30 und vor Weihnachten bis zum Marché de Noël an mehreren Tagen offen sein. Anschliessend werden wir für kurze Zeit in die Schweiz kommen, natürlich ist wie immer „Sin-gen unter dem Weihnachtsbaum“ angesagt.

 

Wir wünschen allen eine gute Zeit, vielleicht doch noch ein paar nebelfreie, also sonnige und warme Herbsttage und grüssen herzlich aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 20

 

Liebe Freunde und Verwandte

 

Die kalten Tage sind vorbei, hoffentlich endgültig, das bisschen Schnee von gestern bereits wie-der geschmolzen, nun dürfte es eigentlich Frühling werden. Aber aktuell regnet es langweilig vor sich hin und schwemmt die letzten weissen Restchen von den Wiesen. Damit dürfte es für die zahlreichen Vögel und die Nutria wieder leichter bei der Futtersuche werden. Jedenfalls hat Margrit sackweise Vogelfutter verteilt und die restlichen Äpfel aus der Scheune sind auch aufgefressen.

 

Nur im Flüsschen und am Wehr hält sich noch das Eis; da war es immerhin einen halben Meter dick. Um die Anlagen zu scho-nen, werden die Schütze, die Staubretter, an „Allerheilige“ hoch-gezogen. Jeannine, vor bald achtzig Jahren in der unteren Kornmühle aufgewachsen, erzählte, wie in harten Wintern die ganze Familie täglich das Eis vor dem Wehr aufschlagen musste, so dass auch den Winter durch gemahlen werden konnte. So gegen den 15. März bittet jeweils die Fischergesellschaft, das Wehr zu schliessen, so dass die im oberen Teil eingesetzten Forellen nicht im Nachbarsdorf gefangen werden können…

 

Margrit hat sich definitiv in ihrem Atelier eingerichtet, zwei Webstühle sind bereits in Betrieb, bei einem weiteren bedarf es noch einige Teile, die ich aber versuche, in unserer Werkstatt selber zu fertigen und der vierte Stuhl wurde vergangene Woche von befreundeten Holländern auf die Dauer ausgeliehen. Jedenfalls hat Margrit bereits verschiedene „Zettel“ gerüstet und wartet nun gespannt auf Kundschaft und natürlich auf Anmeldungen in die Ferien „Weben im Burgund“ Damit gleich der Hinweis auf die entsprechende Website: www.saint-gengoux.eu/ tissage.aspx und folgende.

 

Noch in diesem Frühling wird wieder der Bagger auffahren; eine eigene Abwasserklärung ist geboten. Bis anhin sind die Toi-letten in eine altertümliche fosse séptique im Keller und die übrigen Abwässer direkt in den Kanal geflossen. Eine noch legale, aber für uns unmögliche Lösung. Das kostet zwar, aber es ist auch eine Investition in die Zukunft. Sagt man. Und anschlies-send steht auch noch die Gartengestaltung an: drei Hochbeete sollen entstehen und damit unsere Küche zusätzlich versorgen.

 

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 21

 

Liebe Freunde und Verwandte

 

Wohl wieder mal Zeit für einen Brief aus dem Burgund. Vorweg, es geht uns gut. Über die Auffahrts- und Pfingsttage hatten wir Besuch aus der Schweiz. Traditionsgemäss die Familie Petermann, diesmal mit Kinder und Freunden und deshalb im „Espéran-ce“ in Saint Gengoux. Ferien im Stadthaus quasi. Gleichzeitig war in der Mühle das Blaue Zimmer von Christine Bayer und Peter Exinger und ihren beiden Jungs belegt und im Anschluss kamen auch noch Jacqueline und Lasse für ein paar Tage zu Besuch.

Wenn gemeint ist, jetzt sei wieder Ruhe eingekehrt, na ja, dem ist überhaupt nicht so. Jedenfalls können wir uns in unserer ländlichen Idylle, zwar von der jungen Befragerin zur Volkszählung respektlos als „situation isolée“ bezeichnet, nicht über Ein-samkeit beklagen. Am 3. Mai hatte die Commune de Vitry zum "Repas des Ainés“ ins Restaurant de l’Abbaye nach Cluny einge-laden. Letztes Jahr hatten wir verzichtet, quasi unter dem Motto, „so alt sind wir doch noch gar nicht ..“ Es gab einen ausge-

dehnten 5-Gänger mit heiteren Gesprächen; wir waren nicht mal die Jüngsten…

Jedenfalls füllt sich die Agenda stetig mit Film- und Konzertabende, Fête de la Musique , en France immer am 21. Juni mit Musik aller Stilrichtungen in den Gassen und Beizen von Cluny, Saint Jean-Feste allenthalben, und so fort; die Saison beginnt definitiv.

Am 16./17. Juni sind „Les Journée des Moulins“; für zwei Tage kann jedermann eine Reihe von Mühlen besuchen, auch unsere und damit hat Margrit mit ihrem Webatelier auch gleich den „Tag der offenen Türe“.

 

Ein Blick zurück: Nach Margrits Besuch anfangs März bei Ihrer Mutter (96!) war ich nach eineinhalb Jahren ebenfalls kurz zu Besuch in der Schweiz. Ich besuchte unsere Kinder und Familie, ass bei Freunden im Zürioberland und bei meinen Schwestern im Säuliamt und folgte einer Einladung zum 50. Jubiläum der Diplomklasse Post. Wir treffen uns alle fünf Jahre. Es geht uns allen recht gut und die meisten Kollegen sind auch älter geworden; Kolleginnen gab es in dieser Ausbildung damals noch nicht, leider. Was habe ich aus der Schweiz mitgebracht? Kalbs- und Schweinsbratwürste, Cervelats, Fleischkäse aus dem Säuliamt. So richtig „Wursten“ können die Burgunder halt definitiv nicht.

 

Nun hoffen wir, dass der Sommer endgültig ausbricht; Wasser haben wir weiss Gott genug. Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

 

Margrit & Thomas Weber

 

PS: Eine uns bis anhin unbekannte Französin, seit Jahrzehnten wohnhaft in Uster, hat für Margrit ein Zigerstöckli mitgebracht. Auch so ein Heimweh-Wunsch, nachgelesen in einem Artikel über uns in der Schweizer Familie.

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 22

 

Liebe Freunde und Verwandte

 

Seit dem letzten Lettre de la Bourgogne ist einige Zeit vergangen, unter anderem die Saison, der Sommer und anscheinend auch bereits der Herbst. Jedenfalls dünkt uns der erste Schnee in der Schweiz doch früh und ein etwas gar herbes Ende einer eigentlich sehr schönen Jahreszeit.

 

En France hat die Wintersaison ebenfalls pünktlich gestartet: Die beamteten Cheminots zuerst und in deren Folge das Flug-personal haben ihre Forderungen deponiert: Selbst unter der sozialistischen Re-gierung wird den alljährlichen Begehrlichkeiten wie üblich Nachdruck mit Streiks verliehen. Auch die Weinlese ist ebenfalls vorbei und die Weinbauer sind am Samstag in Mâ-con vor der Präfektur aufmarschiert. Sie protestieren, dass die Regierung nur noch „unwirksame“ Pestizide zulässt…

 

Nun, die eigene Kläranlage ist in Betrieb, das vom Bagger durchpflügte Land mit einer Blumenwiese überdeckt, aus zwei „al-tersgerechten“ Hochbeeten wurden Höckerli, Rüebli, Salate, Radisli und Toma-ten, aus dem einzigen Bodenbeet Kartoffeln und ab dem „Tippi“ kiloweise Stangenbohnen geerntet.

Die Fruchtbäume haben diese Jahr sehr wenig getragen; das Fehlen der Bienen, dieses Mal noch we-gen dem lausigen Frühling, macht bewusst, dass auch auf dem Land nicht mehr alles in Ordnung läuft. Aber wir rechnen fest mit einer wieder guten Ernte im nächsten Jahr, zumal mein Götti Heiri Weber aus Wermatswil, mit Jahrgang 1922 der Doyen unseres Stammes, seine Most-presse mit Zubehör angeboten hat. Wir freuen uns, damit ein richtig gutes Werkzeug zu erhalten.

 

Margrits Webatelier ist definitiv eingerichtet. In der Zwischenzeit sind es fünf Webstühle geworden: Margrits „Schwede“ mit einer Breite von 1 m 40, im Oberstock zwei Modelle zu einem Meter Webbreite, einen Klappwebstuhl aus Schweden und einen im Toggenburg gefertigten und von Freunden aus dem Berner Oberland ausgeliehenen Kleinwebstuhl mit einer Breite von ca. 70 cm. Ein paar Stagiaires ha-ben die Handweberei entdeckt; für das nächste Jahr werden wir in der Werbung im Office de Tourisme in Cluny erscheinen. Natürlich freut sich Margrit vor allem auf Interessent/Innen aus der Schweiz und aus Deutsch-land. Die entsprechenden Infos sind auf der neu gestalteten Website zu finden:

 

https://sites.google.com/site/weberbourgognecom/tissage-au-moulin/weben-im-burgund

 

Ende September habe ich ein Stage für den Bau von Trockenmauern besucht. Quasi ein Weiterbildungsmodul für die Unter-haltsarbeiten in der Mühle. Der Lehrgang wurde ganz in der Nähe in der Do-maine Saint Laurent in Châteaux angeboten, einem Biobetrieb, mit Gemüseanbau, Reithof, Bäckerei und Metzgerei. In vier Tagen haben wir zu sechst ein Stück verfallene Mauer abgebrochen und nach Anweisungen von Pierre Linck und den Regeln der alten Baukunst wieder erstellt. Jedenfalls war es eine neue und gute Erfahrung und dient mir ausgezeichnet bei den bereits begonnenen Arbeiten.

 

„Und dann noch dies“:

 

Den Tag hindurch hat sich ein Storch zu den vielen Reihern auf den Wiesen gesellt. Ob er wohl von der Kälte überrascht wurde? Gegen 18 Uhr hat er sich auf unserer Scheune zum Schlafen eingerichtet.

 

Wir wünschen allen eine gute und erfolgreiche Zeit und grüssen ganz herzlich aus dem Burgund

 

Margrit & Thomas, Moulin de Chigy, 71250 Vitry lès Cluny, 0033 385 34 63 20

moulindechigy@orange.fr und neu : https://sites.google.com/site/weberbourgognecom/home

 

 

 

Lettres de la Bourgogne no 23

Liebe Freunde und Verwandte

Zeit zum Schreiben, draussen ist es kalt, der Winter hat sich doch noch an unseren Landstrich erinnert und einige Zentimeter Halbgefrorenes liegen gelassen. Das wäre eigentlich nicht mehr nötig gewesen. Zumindest die Spatzen richteten sich bereits an der Scheunenwand ein. Aber alles ist natürlich in keinem Vergleich mit den Schneemengen, die dieses Jahr anscheinend in der alten Heimat anfallen.

Bei diesem Wetter ist das Landleben um einiges weniger spannend, wenn man nicht draussen arbeiten kann. Es zieht uns deshalb vermehrt nach Cluny mit kleinem Stadtleben, dem grand café au lait „Chez Sissy“ und ein bisschen Lädele. Oder man lädt spontan französische Nachbarn ein; Schweizer Käse für ein moitié-moitié und echtes Bündnerfleisch kriegt man auch im Intermarché und anstelle von Fendant reicht auch ein Aligoté oder vin de Savoie. Und an solchen Abenden erfährt man noch einiges über das Dorfleben.

Selbstverständlich sind wir der Einladung zum Neujahrs-Empfang der Madame le Maire gefolgt, ein Anlass mit kurzer Rede, 3-Königskuchen und Crémant de Bourgogne und der Abgabe des Jahresberichtes über 24 Seiten der Gemeinde. Eine reife Leistung für eine Gemeinde mit neuestens 80 Einwohnern. Dieses Jahr war eine ganze Seite dem Webatelier von Margrit ge-widmet.

Ebenso selbstverständlich die Feier des Dorfheiligen „Saint Blaise“. Ein sehr familiäres Fest im salle rurale, dieses Jahr zum ersten Mal unter der Regie von Céline & Céline, zwei jungen Müttern. Die Tische waren sorgfältig dekoriert, es gab gemischter Salat, boeuf braisé und Gratin, fromage blanc ou/et au plat und Dessert. Aperitif, Weiss- und Rotwein, Crémant, Kaffee auf Wunsch mit Eigenbrand inbegriffen, Kostenpunkt € 13 pro Person, Kinder bis 12 gratis. Die Polonaise aller mit den Kindern und Tanz von Musette bis Rock `n` Roll mit der Bürgermeisterin sind ein must, die Musik stellt wie jedes Jahr der Automechaniker zusamen.

Den Winter hindurch ist die Nachfrage nach Kursen im Webatelier eingeschlafen; ein kleiner Spinnkurs für eine Holländerin konnte Margrit im Haus abhalten. Zudem hat sie einen der kleinen Webstühle im Zimmer aufgestellt und darauf schöne Halstücher im pied-de-poule-Muster gewebt. Einfach zur Erinnerung für jene, die mal für eine Woche aussteigen möchten:

 

Nun warten wir - übrigens wie alle - ein bisschen sehnsüchtig auf den Frühling, auf die Sonne, auf die ersten Blüten und auch auf den ersten Aperitif an der Stauwehr. Es reicht, jedenfalls haben die Hühner heute früh ob der weissen Pracht heftig rekla-miert.

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

PS eben aktuell: die Wiesen sind demnächst wieder grün, die Sonne scheint und die Katzen räkeln sich vor dem Tenntor; ein gutes Omen.

 

 

Lettres de la Bourgogne 24

Liebe Freunde und Verwandte

Ganz zuerst: Über den Frühling 2013 wollten wir kein Wort mehr reden, kein Wort. Zwar blühten die Obstbäume, einiges hat auch angesetzt, trotz kühlen Tagen, aber dieses Jahr werden wir wiederum auf die Äämligumfi verzichten müssen.

Wunderschön blühten die Quitten. Auch die Apfelbäume blühten herrlich, selbst jene, die letztes Jahr kein einziges Stück zum Ernten liessen. Hoffen wir, dass doch einiges gut gerät, schliesslich haben wir das Erbe von Götti Heiri, die Obstmühle

und Presse im grossen Stall bereitgestellt.

Trotzdem, die ständigen Regenfälle bereiteten uns zwischendurch etwas Sorgen. In der ersten Maiwoche konnte man geradezusehen, wie der Bach stieg, die Wiesen standen unter Wasser, auch unsere Kartoffeln und die Kläranlage, die Wasser leckten am Mauerrand vor Margrits Webatelier, wir füllten Sandsäcke ab und erstellten Bretterwände. Und just ein paar Zentimeter unter der Türschwelle begann das Wetter zu schonen. Eine Erfahrung reicher.

Die Auffahrtstage waren vor allem dem Besuch von Freunden aus Margrits Tagesschule gewidmet: Christine Bayer mit Peter und Kindern, Verena mit Daniel und Göttibueb Flavio. Wir hatten eine gute Zeit zusammen und mit sieben Personen mehr am Tisch fühlten wir beide uns wieder einmal ein bisschen gefordert.

Ende Juni und das Wetter hat sich nicht wesentlich geändert; jedenfalls hat es Blüten, aber ob das ohne viel Sonne auch zu reifen Tomaten führen wird, bezweifeln wir langsam sehr. Immerhin, die frühen Kartoffeln werde ich am nächsten schönen Tag ausheben. Und die Johannisbeeren erröten auch sachte…

Zwischen drin hatten wir Besuch aus Uster. Zuerst Roland und Malu wieder mal auf der Durchreise mit dem Wohnauto nach Spanien und Portugal, Grillen unter der Laube, weil trotz allem wieder mal ein milder Abend. Dann Jrma und Hans, ehemalige Übernachbarn aus der Siedlung „Herracher“, auch sie auf der Durchreise nach Westfrankreich. Und Margrit hatte eine Mitfahrgelegenheit gefunden und war eine Woche zu Besuch bei den Kindern, Enkeln und Freunden. Dabei durfte ich Haus, Hof

und die Viecher hüten, aber auch wieder mal in der Zeitung während dem Essen blättern und am Samstag einer Einladung der Chasseurs de Vitry folgen. Nun, die Jäger waren in Unterzahl, aber die Rehterrine und die zwei Wildschweinschinken, die sich scheint‘s während sechs Stunden am Grill bräunten, waren „saumässig“ gut. Auf den grosszügigen Nachschlag mit Marc de Bourgogne habe ich verzichtet, obgleich ich zu Fuss war. Am Sonntag standen wie jedes Jahr die Mühlen zur freien Be-

sichtigung offen.

Sollte der Wetterbericht stimmen, endet der Juni mit viel Sonne und sommerlichen Temperaturen (23° resp. 25°, man wird bescheiden..). Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 25

Liebe Freunde und Verwandte

Der Schlusssatz im letzten Brief aus dem Burgund: Sollte der Wetterbericht stimmen, endet der Juni mit viel Sonne und sommerlichen Temperaturen. Und dann ging er los, der Sommer, ein Sommer, wie zu unserer Jugendzeit. So schien es uns wenigstens, einfach ohne Jugend.

Wir fanden Gelegenheiten zum Besuch von Vernissagen, diesmal von der anderen Seite her, als Gäste, Gelegenheiten zum Plaudern mit den ehemaligen eigenen Kunden, die petit-fours der Kolleginnen und Kollegen zu versuchen und auch mal selbst ein Bild zu kaufen.

Und am 28. Juli ging ein gewaltiges Unwetter nieer und bescherte uns Überschwemmungen. Wiederum hiess es, Bretterwände erstellen, Sandsäcke füllen, unter der Brücke gab es geade noch einen halben Meter Luft, die Weiden

und unser Garten standen unter Wasser, Margrit musste die Hühner retten, die sich auf ein Inselchen geflüchtet hatten und vor allem hofften wir, dass das Wasser vor dem Atelier einhält. Und es hielt ein.

Am 3. August dann die Ferienwoche von Freunden, deren Besuch seit bald 20 Jahren Programm ist. Zuerst er allein, dann mit Partnerin und später mit den Kindern, die jetzt mittlerweile auch schon zur Schule gehen. Und es folgten weitere Besuche aus der Familie, von Freunden und auch Kollegen aus Uster. Dazwischen ging Margrit zusammen mit einer Freundin auf den Flohmarkt, immer in der Hoffnung, etwas aus dem Fundus loszuwerden und ständig standen Einmachgläser zum Auskühlen Kopf: Konfitüren, Gelees, Kompotte. Die Masse von Pfirsichen lockte auch die Nutria an; einmal zählten wir 17 Stück unter den Bäumen. Und ganz zum Schluss war da noch unser 45. Hochzeitstag, schon beinahe exotisch.

Margrit hat seit dem Sommer eine Stagiaire, die das Weben von Grund auf lernen möchte. Das bringt etwas Abwechslung, beide haben ähnliche Interessen und arbeiten gut zusammen. Für mich gab der Oktober die Gelegenheit, endlich Heiris Mosterei zu nutzen. Edmond, ein Franzose mit einem riesigen Garten und der frisch pensionierte Peter brachten zusätzlich ihr eigenes Obst mit.

Zu meinem Geburtstag folgten meine beiden Schwestern spontan der Einladung von Margrit; es hätte kein schöneres Geschenk sein können. Und damit und einigem mehr bin ich nun anscheinend einfach siebzig geworden, weiss Gott nicht abgeklärt, nach wie vor recht umtriebig, nicht nur so, sondern auch zusammen mit Margrit wohl noch zu jung, um zurück zu lehnen. Aber warum sollten wir auch, zumal uns immer noch Dinge gelingen, wie die „Moulin de Chigy“.

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

 

 

Lettres de la Bourgogne 26

Liebe Freunde und Verwandte

Seit unserem letzten Mail zur Wiederaufnahme des Betriebes in Saint Gengoux im Frühling als Atelier de tissage ist es sehr hohe Zeit für einen „Brief aus dem Burgund“. Und ganz zuerst, es geht uns gut.

Also, die Mosterei hat bestens geklappt und nachdem ich während sieben Wochen täglich die Maische umgerührt hatte, konnte ich über 20 Liter „pomme“ aus der Brennerei nachhause tragen. Das getreuliche Befolgen der Instruktionen hat sich bestens gelohnt, sagte der Brenner. Aber das sei er sich gewohnt, schliesslich sei sein Schwiegersohn auch Schweizer. Dieses Jahr wurde uns vor allem eine reiche Ernte an Griottes beschert, die Kirschen- und die Pfirsichblüten sind erfroren; bei den übrigen Steinfrüchten und den Apfelbäumen wird die es wohl auch etwas weniger geben. Auch weniger Arbeit.

Margrit webt weiterhin zusammen mit Monique. Am Montagmorgen im Atelier in der Mühle und an den Markttagen im Städtchen Saint Gengoux le National. Das gibt ihr etwas Abwechslung vom „Leben auf dem Land“. Jedenfalls freut sie sich immer auf die zahlreichen Besuche im Atelier an der rue de l’Espérance.

An den Pfingsttagen war geradezu Hochbetrieb: Im „Espérance“ verbrachten langjährige Freunde aus dem Zürioberland ihre schon obligate Ferienwoche. In der Mühle versammelte sich unsere gesamte Familie mit dem jüngsten, gerade mal vier-monatigen Sprössling von Benjamin und Katharina. Das Foto zeigt die stolze Grossmami mit ihm. Jedenfalls gab es bereits einen kleinen eigenen Tisch für die Enkel. Alles Buben.

Mitte Juli haben wir einen am Neujahrmorgen gefassten Vorsatz verwirklicht und sind nach Skandinavien gereist. Einmal nicht mit dem Citroën, diesmal per TGV, Flugzeug, Fährschiff und Überlandbusse und wiederum Fähre, dann per schwedische Eisenbahn und schliesslich per Flugi und TGV wieder heim ins Burgund. Wir haben unsere Jugendfreunde, die eine Ferienbleibe in Finnland haben und die in Schweden verheiratete Schwester von Margrit besucht. Wir haben etwas von Helsinki, Tallinn auf

Estland, Turku, Mariehamn und Stockholm gesehen, haben Landschaften, wunderbare Sommerhäuser am See und auf dem Lande erlebt, haben im See gebadet und wie immer viel zu viel gegessen. Heimgekehrt lautet der Text unter de Menukarte lapidar „sous régime!“

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

https://sites.google.com/site/weberbourgognecom/

 

 

 

Lettres de la Bourgogne 27

Liebe Freunde und Verwandte

Anfangs September reiste ich zu einer Klassenzusammenkunft ins Zürioberland. Ein heiter friedlicher Nachmittag auf dem Bachtel, unserem Hausberg. Das letzte Mal war ich hier oben mit meiner Mutter, die, weil an Stöcken, ausnahmsweise

nach ober gefahren werden durfte. Heute können selbst Kleinbusse mühelos parkieren. Die Klassenkameraden kamen mir allemal bekannt vor, bei den Kameradinnen hatte ich doch einige Mühe. Es sind wohl nicht nur die vergangenen fünf-

undfünfzig Jahre, viel eher betrachtete ich die holde Weiblichkeit in der Schule noch recht distanziert.

Im Sommer stattete uns der Fuchs seinen Besuch ab; anschliessend hatten wir gerade noch ein Huhn, das sich mangels anderen Kolleginnen uns eng anschloss. Also erwarb Margrit zwei neue Hühner mit der Zusicherung, dass alle drei im

Winter auf den Bauernhof in die Ferien dürfen. Die sehr ruhige Zeit möchten wir diesmal mit den Katzen im „Espérance“ im Städtchen Saint Gengoux-le-National verbringen.

Wir beide sind ja in Frankreich krankenversichert und die auch während der Klassenzusammenkunft mehrfach gestellte Frage darnach kann jetzt kompetent beantwortet werden. Also, die SAMU hat mich umgehend abgeholt, der Notfallarzt brummte etwas von“ Saison und älteren Herren, die auf die Bäume steigen“, anderntags wurde operiert, ins Einzelzimmer mit Bad gelegt, sehr freundlich und zuvorkommend gepflegt und nach vier Tagen wieder nachhause entlassen. Ich darf gar nicht sagen, was die Krankenkasse mit Zusatzversicherung kostet, sonst würden alle umgehend nach Frankreich auswandern. Gut, zugegeben, bei diesem herrlichen Herbst im fauteuil roulant herumfahren und Margrit die Wiesen mähen lassen ist auch nicht so toll. Na ja.

Ad fines: Ein Kochkollege hat auf besondere gedörrte Bio-Bohnen aus dem Luzernischen aufmerksam gemacht. Im nächsten Natura-Laden im Zürioberland wurde ich fündig, zwar nicht aus der Innerschweiz, aber von einem Biohof im thurgau-

ischen Pfyn, 100 gr „handgepflückt, getrocknet“. Beim Zahlen bin ich schon etwas erschrocken, Fr.12.60 wollte die alternative Dame. „Aus der Schweiz – nicht etwa aus China!“. Die hundert Gramm waren zu kostbar zum Selberessen und deshalb habe ich sie als Mitbringsel an eine compatriote verschenkt…

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

https://sites.google.com/site/weberbourgognecom/

 

 

 

Lettres de la Bourgogne No 28

Liebe Freunde und Verwandte

 

Was war da noch? Jedenfalls kein Winter in unserer Gegend. Die wenigen Schneeflocken, die sich verirrten, zerrannen umgehend auf den noch grünen Wiesen. Und auch auf dem Kopfsteinpflaster im Städtchen St. Gengoux-le- National.

 

Ende Februar erfolgte wieder die „Züglete“ aufs Land, in die Moulin de Chigy, inklusive Katzen. Die Hühner verbleiben an Ihrem Ferienort; sie fühlen sich sichtlich wohl auf dem basse-cour von Alexandra. Ein weites Gelände ist eingezäunt, auf dem sich munter Federvieh, Kaninchen und dazu geschenkte Meerschweinchen tummeln und sich freudig vermehren. Dasselbe mit den Schafen. Eigentlich müssten die Lämmer in die Schlachterei, ausser die Bäuerin verliebt sich wieder in die Viecherchen…

 

Jean-Charles ist ins kalte Wasser gestiegen, um den Baumstamm, der sich vor das Wehr gesetzt hatte mit der Traktoren-schaufel herauszuheben. Mit dem Runterlassen der Staubretter wohnen wir jetzt wieder am „See“, seine Kühe saufen be-quem direkt aus der „Gande“ und die Fischer sind auch zufrieden.

 

Vergangene Woche hatte Margrit Visite in ihrem Atelier in der Stadt. Über dreissig vom Office de Tourisme organisierte Besucherinnen liessen sich über die Handweberei informieren. Monique, die „Lehrtochter“ erklärte das Einrichten eines Webstuhls und Einziehen der Fäden, Mme Joly, die kürzlich ein Stage buchte, arbeitete am kleinen Webstuhl und Margrit zeigte nebst anderem das Spinnen am Rad und gab auch Gelegenheit, sich in dieser Handfertigkeit zu versuchen. Es war eine gute Gelegenheit, ein Handwerk vorzustellen, das bei-nahe alle nur noch aus den Erzählungen der Eltern kennen. Neu ist sie eineinhalb Tage im Atelier in St. Gengoux, ab Saison werden die Dienstage ohnehin durchgehend Markttag sein und dann muss die Weberei offen stehen!

 

Draussen wechseln Sturm und Fieselregen, also genug Zeit für’s Schreiben, obgleich die Falläste gehäckselt werden sollten. Im Wäldchen blühen die jonquilles, eine wilde Narzissenart die hier in den Wäldern blüht und der Bärlauch treibt, die Pfirsichblüten drücken und eigentlich ist Frühling. Pünktlich dazu passt die Wetterlage, April April!

 

Herzliche Grüsse aus dem Südburgund

Margrit & Thomas Weber

 

PS: neu stehen zwei Internetseiten: www.saint-gengoux.eu für die beiden Webateliers und www.weber-bourgogne.com für die gemeinsamen Aktivitäten und andere Angebote.

 

 

Lettres de la Bourgogne No 29

Liebe Freunde und Verwandte

 

Lang lang ist’s her. Seit dem letzten Brief aus dem Burgund verging viel Zeit, eine Zeit des Umbruchs mit vielen und neuen Erkenntnissen - aber nein, wir haben kein neues Haus gekauft, zugegeben, beinahe – und jetzt ist das alles auch schon wieder Geschichte. Natürlich wird man nicht jünger, wir jedenfalls haben es zunächst nicht glauben wollen; trotzdem, grundsätzlich geht es uns beiden gut.

 

In der Mühle hat sich nicht viel geändert. Lange hatte der Wasserspiegel der Hitzeperiode widerstanden, die Fische unterhalb dem Wehr schnappten nach Luft und altem Brot, das ihnen Margrit zuwarf. Alles in allem ist dieser Sommer kein guter gewesen; der fehlende Winter, der Frost in der Blütenzeit, der verregnete Juni und eine lange Trockenzeit haben dieses Jahr keine „fruchtige Ernte“ ergeben. Dann, zum letzten Mal brutzelte es Tage auf dem Grill beim gemein-samen Nachtessen unter Freunden im Freien.

Nun, die ersten Regentage haben die Sache wieder bereinigt. Es stehen wieder zwei Meter vor den Staubrettern und die Nutriamutter „schwadert“ mit ihren sechs Jungen munter zwischen den beiden Ufern hin und her. Ob die Kuhweiden nochmals richtig grün werden?

 

Saint Gengoux hat auch dieses Jahr in der Saison den regelmässigen Wochen-markt und zwei Nachtmärkte durchgehalten. Margrits Präsenz im Atelier ist durchaus gefragt, ein leichter Trend zum Weben ist verhalten spürbar. Ihre Mon-tagabende gehören dem Chorgesang, neue Beziehungen werden geknüpft und neue Erfahrungen erlebt. Derweil Thomas Haus, Hof und die Katzen hütete. Auch mal schön, einen alten Western im Fernsehen oder laute Musik laufen zu lassen.

 

Als dann das Wetter nachhaltig umschlug, zügelten wir wieder „in die Stadt“. Ab Dezember werden wir nach fast fünfjähriger Enthaltsamkeit in der Galerie wieder Kunst ausstellen. Margrit arbeitet weiterhin an den Webstühlen und stellt ihre Kreationen aus. Aber es werden auch Bilder hängen und Skulpturen werden die Aufmerksamkeit der Besucherinnen anziehen. Art & Textil.

 

Für die Weihnachtszeit wird ein belgisches Paar das „Espérance“ und die Katzen hüten; wir wollen wieder mal Weihnachten in unsere erste Heimat zusammen mit den Familien feiern und vielleicht auch kleine Besuche machen. Nach bald drei Jahren hat man sich schon ein bisschen aus den Augen verloren. Jedenfalls bis dahin oder bis zum nächsten Lettre de la Bourgogne senden wir herzliche Grüsse aus dem Südburgund und wünschen eine schöne und friedliche Adventszeit.

 

Margrit & Thomas Weber

 

Unsere Internetseiten: www.saint-gengoux.eu für die Galerie und die Webateliers und www.weber-bourgogne.com für die gemeinsamen Aktivitäten.